Martinshof Rothenburg Diakoniewerk

Evangelische Diakone mit ihren Familien, aus Kraschnitz bei Breslau stammend, nahmen sich hilfebedürftiger Menschen in der Zeit der Industrialisierung fürsorglich an. Sie gründeten 1898 in Rothenburg, in der Oberlausitz, die Einrichtung „Zoar“ *, den heutigen Martinshof. Seitdem stehen sie als diakonischen Gemeinschaft der Brüder- und Schwesternschaft Martinshof in der Tradition, helfend auf Nöte der Menschen zu antworten. (* aus 1. Mose, 19 übersetzt: „Die Kleine“ – Zuflucht)
Hilfebedürftige und mittellose Menschen mit unterschiedlichen Formen von Behinderungen und Einschränkungen erhielten in unterschiedlichen Pflege- und Betreuungseinrichtungen in Zoar - Martinshof seit 1899 Fürsorgeleistungen. Die Diakone und ihre Familien führten die Versorgung der Heimbewohner und Heimbewoherinnen im diakonischen „Hauselternprinzip“ im Miteinander leben und arbeiten. Für diese Aufgabe wurden von Beginn an Diakone im Brüderhaus ausgebildet.
Die Jahre 1941-42 sind für Zoar-Martinshof die dunkelsten in seiner Geschichte. In der Zeit des Nationalsozialismus fielen über 100 Menschen mit Behinderungen dem Euthanasieprogramm mit der Verlegung in sogenannte Landesheilanstalten zum Opfer. Die Nazis richteten an diesem Ort ein Arbeitslager für über 700 jüdische Menschen ein. Von da aus wurden sie in die Vernichtungslager des 3.Reichs deportiert.

Nach den Kriegswirren und dem Wiederaufbau wurde der Martinshof in die Verwaltung der Evangelischen Kirche übertragen. Als „Brüder-und Pflegehaus Martinshof“ entwickelte sich in der DDR-Zeit eine vielfältige diakonische Arbeit mit Betreuungs-, Beschäftigungs- und Wohnangeboten für Senioren und Menschen mit Behinderungen.
Nach der politischen Wende wurde der Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V. die Einrichtung rückübertragen.
Zur Förderung der Diakonie der Evangelischen Kirche errichtete die Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V. 1996 die Stiftung „Martinshof Rothenburg Diakoniewerk“, die deren sozialdiakonischen Arbeitsfelder institutionell fortsetzte.
Aus einem Zusammenschluss der Stiftung „Martinshof Rothenburg Diakoniewerk“ und der „Stiftung Diakonie Görlitz-Hoyerswerda“ ging die neue Stiftung „Diakonie St. Martin“ hervor.

Das „Brüderhaus“ blieb Sitz der Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V. und war von jeher ein Ort der Bildung, Begegnung und Gemeinschaft. Heute ist es ein Zentrum der sozialen und diakonischen Bildungsarbeit der Stiftung Diakonie St. Martin.

Die Brüder- und Schwesternschaft Martinshof e.V. ist heute als gemeinnütziger eingetragener Verein unter dem Dachverband der evangelischen Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften (VEDD) mit 20 diakonischen Gemeinschaften in ganz Deutschland verbunden.
Als Diakonische Gemeinschaft fördert sie als einstige Stifterin gemäß ihrer Satzung die Gesamtstiftung ideell und finanziell in diakonischen Projekten und Anliegen.
Sie unterstützt die geschichtliche Aufarbeitung der Einrichtung in der Zeit der Nazidiktatur und des DDR-Regimes.
Daneben entsendet sie Delegierte in den Stiftungsrat der Diakonie St. Martin.